Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.
Datum
Titel
Name
Di. 28.05.13
Das Himmelreich gleicht einer Perle (MT 13,…
Karin Klement
Das Himmelreich gleicht einer Perle (MT 13, 44 + 45)

Das Himmelreich gleicht einer Perle

 

MT 13, 44 + 45

Jesus vergleicht Gottes Himmelreich mit unserer Welt und erzählt, auf welche Weise auch in dieser Welt himmlische Kostbarkeiten zu finden sind. JESUS spricht:

Das Himmelreich gleicht einem SCHATZ, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und versteckte. Und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und als er eine kostbare PERLE fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Liebe Damen und liebe Herren in unserer Runde!

Mögen Sie auch gern so etwas Glitzerndes, Leuchtendes in Ihren Händen halten? Eine PERLE wie einen Schatz betrachten mit strahlenden Augen, in denen sich das Wunderbare, Kostbare, Edle widerspiegelt?

Jede PERLE ist einmalig. Sie schimmert perlmutt mit ihren zarten, rosa-weiß-gelb-bis-bäunlichen Farben in jenem Licht, das sich in ihr widerspiegelt. Sie ist rund oder leicht oval, sehr glatt und ebenmäßig. Leichter als ein Stein.

Jede echte PERLE, ob sie nun in einer Muschel natürlich entstanden ist oder gezüchtet wurde, ist einmalig. Mit winzigen Variationen und Eigenheiten. Sie ist kostbarer als Gold und Silber, und wo man sie verschenkt, drückt sich darin eine hohe Wertschätzung der beschenkten Person aus.

Sie ist Symbol der Liebe. Nicht umsonst tragen Bräute oftmals eine Perlenkette oder einen Perlenring, wenn sie zum Traualtar schreiten. Ein Geschenk, das sagt: „Du bist mir so wertvoll wie der allergrößte Schatz auf dieser Erde!“

Echte Perlen sind auch deshalb so teuer, weil sie sehr lange brauchen, um zu entstehen. Sie wachsen in einer Muschel heran. Nicht, weil es der Muschel gefällt, sondern vielmehr, weil beim Öffnen ihrer Schalen kleine Verunreinigungen mit dem Meereswasser in sie hineingespült werden. Ein Sandkörnchen vielleicht. Mit seinen harten Kanten könnte es das zarte Muschelfleisch im Inneren verletzen. Entzündungen hervorrufen. Die Muschel wehrt sich gegen den fremden Eindringling und bildet eine Art Schutzschicht um das Sandkörnchen, um es zu isolieren und größeren Schaden zu vermeiden.

In einem lange dauernden Wachstumsprozess bilden sich Schalen um Schalen um das Steinchen, werden gedreht und gewendet, sodass sie äußerlich fast genau rund wird. Das schmutzige Sandkörnchen, auf dem vielleicht Keime ruhten, wird abgeschottet vom inneren Muschelfleisch, sodass die Muschel gesund bleibt.

Das Wachsen der Perle ist anstrengend, kostet die Muschel viel Kraft. Aber es sorgt für ihren Lebensschutz. Es ist eine Überlebenshilfe, die in Zeiten größter Bedrohung dafür sorgt, dass Beeinträchtigungen überwundern werden, Leben und Wachstum möglich bleiben.

Kennen Sie das auch aus Ihrem eigenen Leben? Situationen, in denen Sie etwas Schlimmes erlebten oder Bedrängendes, das Ihnen wie ein schwerer Stein mitten auf dem Lebensweg das Vorankommen erschwerte?

Können Sie erinnern, wie sie mit diesem Schlimmen, Bedrängenden, Belastenden umgegangen sind? Das sich vielleicht gar nicht so einfach beiseiteschieben ließ. An dem Sie nicht vorbei kamen. Das einfach da liegenblieb, wo es Ihnen begegnet war, und es Ihnen so schwer machte, weiterzugehen.

Vielleicht mussten Sie sich mit dem Unangenehmen beschäftigen. Das Schlimme berühren, anfassen, darüber sprechen, es zur Kenntnis nehmen und gelten lassen.

Vielleicht konnten Sie auch erfahren: Je mehr Sie sich mit dem Schwierigen, Schmerzhaften, Unangenehmen beschäftigten – desto besser konnten Sie es „verpacken“. Z.B. in Worte einpacken, also eine Situation mit Worten deuten, besprechen, klären. Die bedrängende Situation besser verstehen und etwas Neues daraus lernen.

Vielleicht konnten Sie – wie die Muschel die harten Kanten des Sandkörnchens – das, was Sie verletzte, „ummanteln“, den Schmerz, das Verletzende abdämpfen. Den bohrenden Keim abschotten von Ihrer inneren, leicht verwundbaren Seele.

Aus Ihrer Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen konnten Sie lernen, sich selbst zu schützen, die in Ihnen verborgenen Selbst-Heilungskräfte zu wecken.

Vielleicht hat Ihnen auch Ihr Glaube dazu verholfen. Ihr Vertrauen in GOTT und Christus – wirkt wie eine Schutzschicht vor den schlimmen Erfahrungen des Lebens; wie ein bergender Mantel, in den wir uns einhüllen können.

Ich bin sicher, jede und jeder von uns trägt solche PERLEN der Erfahrung in sich – kostbar für unser Leben; leuchtende, glänzende Siegeszeichen dafür, dass wir uns von schlimmen Ereignissen nicht unterkriegen ließen. GOTT selbst hat eine Überlebenshilfe in uns verankert, damit Beeinträchtigungen überwunden werden können und seelisches Wachstum möglich bleibt.

Das ist die eine Seite der Geschichte, die Jesus erzählt.

Zugleich vergleicht Jesus Gottes Himmelreich mit ebensolch einer PERLE. Und mit dem verborgenen SCHATZ IM ACKER.

PERLE und SCHATZ – Kostbarkeiten, die uns erfreuen, die unsere Augen zum Leuchten, unsere Herzen zum Glänzen bringen. Und genauso gilt dies auch für GOTTES HIMMELREICH AUF ERDEN. Es ist einmalig, unverwechselbar – und es wird uns geschenkt.

Das Himmelreich ist gewachsen aus dem Leiden und Schmerz, das der CHRISTUS auf sich nahm. SEIN KREUZ, das er nicht umgangen hat, nicht vermieden, nicht davor weggelaufen ist, sondern das er getragen und ertragen hat.

Er hat die schlimmen Erfahrungen von menschlicher Bosheit, die ihn ans Kreuz brachten, umgewandelt. ER hat aus seinem Schmerzensschrei einen Schrei der Befreiung gemacht. Einen Schrei der Freigabe für uns und alle Menschen – egal, wessen wir uns auch schuldig gemacht haben.

ER hat aus seinem Todeskampf einen Kampf für das Leben gemacht – für unser Leben und das Leben aller Geschöpfe Gottes. Darum wächst Gottes Himmelreich auf Erden – durch das, was CHRISTUS für uns und alle Welt getan hat.

Und es wächst weiter – mit jeder Erfahrung, die wir Menschen machen, die unsere Widerstandskraft herausfordert, die unsere inneren Heilungskräfte in Bewegung setzt. Und die wir mit unserem Glauben bewältigen.

Aus all den mit- und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, denen wir nicht aus dem Wege gehen können, die unvermeidlich sind, kann etwas Kostbares, Wunderbares entstehen. Wie ein hartnäckiges Sandkörnchen, das wir mit unserem Glauben ummanteln, mit unserem Vertrauen gegenüber Gott einhüllen. Bis daraus etwas Kostbares, Glänzendes entstanden ist.

Gewiss, das geschieht nicht sofort, sondern ist ein langer Entwicklungsprozess, der viel Kraft erfordert und manche Träne kostet. Aber danach zu suchen, lohnt sich allemal.

Lasst uns also weiter nach dem verborgenen Schatz im Acker buddeln; lasst uns die eine, wahre kostbare Perle unter den unzähligen Angeboten herausfinden – und Gottes Himmelreich auf Erden mit unserem Glauben weiter aufbauen, weiter wachsen lassen.

Und noch etwas:

Alle Schätze sind begrenzt, alle Perlen selten zu entdecken; aber Gottes Himmelreich ist unendlich, ohne Begrenzung. Sein HIMMEL steht offen für alle Seine Geschöpfe.

Für Menschen, die sich streiten, und für jene, die sich wieder vertragen. Für die, die anderen wehtun, und jene, die einander trösten und für einander einstehen. Sein HIMMEL wächst aus jeder zwischenmenschlichen Erfahrung, so belastend, schmerzvoll sie auch ist, und bringt letztlich uns und alle Welt zum Glänzen.

AMEN

KONTAKT

Karin Klement

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
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Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
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Karin
Klement
Pastorin
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Sa. 25.05.13
„… dem dreimal einen Gott“
Dr. Matthias Wilke
„… dem dreimal einen Gott“

Nach Pfingsten folgt der Trinitatissonntag. Da wird die Majestät des dreieinigen Gottes gefeiert. Wir Christen glauben an einen Gott, der sich in verschiedener Weise uns Menschen zeigt: Gott zeigt sich als Schöpfer des Universums. Gott zeigt sich im kleinen Kind im Stall von Bethlehem, das als Erwachsener gekreuzigt wurde und wieder auferstanden ist, Jesus Christus. Gottes Geist erfüllt uns mit den Gaben des Vertrauens, der Hoffnung und der Liebe. Es ist derselbe und gleiche Gott, der sich in unendlich verschiedener Weise zu erkennen gibt. Man hat versucht, drei Grundströmungen der göttlichen Offenbarung zu erkennen: die Offenbarung Gottes in der Schöpfung, in der Erlösung durch Jesus und in der Heiligung durch den Heiligen Geist.

 

Gern betrachte ich große alte Bäume mit ihrem satten Grün. Sie erinnern mich an die alte Vorstellung vom Lebensbaum. Übertragen auf die Dreieinigkeit Gottes stelle ich mir vor, dass die Wurzel dieses Lebensbaumes Gott, der schaffende Vater selbst ist, welcher alles ins Leben gerufen hat und alles Leben trägt und erhält! Der Baumstamm dieses Lebensbaumes ist der Sohn, Jesus Christus. Die Größe eines Baums erkennen wir am besten durch seinen Stamm. Die Größe Gottes erahnen wir am besten durch seinen Sohn, der in diese Welt gekommen ist, um sie zu erlösen! Der Stamm trägt die Äste und Zweige. Den Lebenssaft eines Baums sehen wir natürlich nicht! Wir sehen aber die schönen Blätter und Früchte! Blätter und Früchte sind ohne den Lebenssaft eines Baumes undenkbar. Diesen Lebenssaft des Lebenssaftes möchte ich mit dem Geist Gottes vergleichen, seine Früchte sind Glaube, Hoffnung, Liebe.

 

Ein Kirchenvater, Gregor von Nazianz, versucht die Dreieinigkeit Gottes so zu erklären: Da ist eine Quelle.Ihr Wasser sammelt sich zu einem kleinen Bach. Dieser Bach gräbt sich nun seinen Weg den Hang hinunter, bis weit hinein in das Tal. Und er wächst dabei, wird größer und mächtiger und wird endlich zu einem richtigen Fluss. Und so haben wir eine Quelle, einen Bach und einen Fluss. Alle drei führen das gleiche Wasser.

 

Genau genommen ist die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes nur ein Versuch, das geheimnisvolle Wesen Gottes in Worte zu fassen. Die Legende erzählt vom Begründer der Trinitätslehre, Augustin, dass dieser am Strand ein Kind beobachtete. Dieses Kind lief immer wieder zum Meer, schöpfte Wasser in eine Muschel und goss es in ein Loch. Augustin machte sich über das Kind lustig; „Du willst doch nicht etwa das ganze Meer ausschöpfen?“ Das Kind entgegnete: „Und du willst mit deinem menschlichen Verstand die Dreieinigkeit Gottes erfassen?“

 

Wenn wir nun diesen Trinitatissonntag feiern, sind wir eingeladen, über diese Frage nachzudenken: wo – wie – wann haben wir Gott erfahren. Vielleicht kommen wir sogar mit unseren Mitmenschen darüber ins Gespräch.

 

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